Best-Matchmaking: Ein Erfahrungsbericht in Form eines Tagebuches

Hier erzähle ich ausführlich meine ganze Geschichte mit Best-Matchmaking. Wenn sie nur die Betrügereien interessieren, finden Sie diese auf Englisch zusammengefasst auf best-matchmaking.ORG.

Mittwoch, 18. November

Über Line kommuniziere ich mit meiner Sprachlehrerin in Taiwan. Sie sagt mir, sie wolle einen ihrer ehemaligen Schüler heiraten. Das ist eine herbe Enttäuschung für mich. Ich hätte es sein wollen.

Frustriert, durchsuche ich mein Handy nach Abwechslung und finde die Profilbilder auf der Internetseite von Best-Matchmaking, best-matchmaking.com. Eine Frau gefällt mir. Ich melde mich auf der Internetseite an. Erst mal ist alles kostenlos. Und insgesamt vier Briefe kann man auch so schon mit vier Bonuspunkten ohne Mitgliedsbeitrag an Frauen auf der Seite verschicken oder von ihnen lesen. Wenn man mehr will, muss man einen Monatsbeitrag von 199 Euro bezahlen. Das überlege ich mir später. Hier steht es unter Leistungen und Preise:

Donnerstag, 19. November

Ich schreibe der Frau, die mir sympathisch scheint. Es kommt keine Antwort.

Samstag, 21. November

Man kann sein Profil auf best-matchmaking.com verifizieren, indem man ein Photo seines Ausweises schickt. Das ist kostenlos. Ich mache das. Mein Profil soll dann für Frauen prominenter sichtbar sein.

Weil von der Frau, die ich ursprünglich angeschrieben habe, keine Antwort kommt, schaue ich mir die Profile durch und markiere einige als ‚Favoriten‘.

Sonntag, 22. November

Eine erste Nachricht ist da! Eine, von den Frauen, die ich als Favorit gekennzeichnet habe, hat mir geschrieben:

Um diesen ‚Free intro letter‘ zu lesen wird nichts von den 4 Bonuspunkten abgezogen. Interessant ist der Betreff: Google übersetzt ‚Новый фаворит!!!‚ mit ‚Neuer Favorit !!!‚. So werden die Frauen also informiert, die ich als meine Favoriten markiere.

Ich schaue mir Marias (Name geändert) Profil genauer an. Sie ist sehr klein (145cm), will ihr Leben ändern und sucht einen Mann zwischen 23 und 65. Da liege ich genau in der Mitte. Ihre Fotos zeigen immer nur ihren Oberkörper. Sitzt sie im Rollstuhl? Mir scheint mein Gedanke paranoid. Sie schreibt nichts von Kinderwunsch. Der steht in meinem Profil. Hat sie ihn gelesen? Eigentlich wünschen sich Frauen immer Kinder wenn die Partnerschaft und die Lebensverhältnisse stabil werden. Maria ist erst 26. Da habe ich keine Bedenken.

Maria schlägt eine Videoschalte vor. Mir ist das auch lieber als ewiges hin- nun herschreiben. Das hatten ich schon so oft und zuletzt mit meiner Chinesischlehrerin. Für Videoschalten muss man auf best-matchmaking.com einen Monatsbeitrag von 199 Euro bezahlen. Da sind dann drei halbstündige Videoschalten inklusive, sowie unbegrenzt Nachrichten verschicken und empfangen.

Montag, 23. November

Drei weitere Frauen melden sich bei mir. Das sind aber keine, welche ich als Favoriten markiert habe. Das hat wohl die Verifizierung meines Profils bewirkt. Die Frauen sehen aus wie Models aus einer Modezeitschrift. Stark geschminkt zeigen sie ihre Körper. So eine Frau suche ich nicht. Ihre Nachrichten sind allgemein gehalten, gehen nicht konkret auf das ein, was ich in meinem Profil schreibe. Wenn ich mir Marias Nachricht nochmal anschaue, macht sie das auch nicht anders. Es könnten Standardscheiben sein. Petra (Name geändert), die erste der drei, schlägt mir auch gleich eine Videoschalte vor.

Von der Frau, der ich zuerst geschrieben habe kommt weiterhin keine Antwort. Lieber gehe ich auf eine Frau zu, die Interesse an mir hat, als einer hinterher zu laufen, bei der nur ich an einer Beziehung interessiert bin. Letzteres habe ich mein Leben lang erfolglos gemacht. Aber ich warte noch ab.

Dienstag, 24. November

Heute schreibe ich Maria und schlage ihr eine Videoschalte am Wochenende vor:

Mittwoch, 25. November

Ich will die 199 Euro Monatsbeitrag bezahlen, um dann die Videoschalte über die Plattform anzumelden. Das funktioniert nicht. Bevor ich noch meine Kreditkartendaten eingeben kann bekomme ich die Nachricht, dass ich mit meiner Karte keine Zahlungen übers Internet machen könnte. Das ist seltsam. Das ging sonst immer. Außerdem habe ich meine Kartendaten ja noch gar nicht eingegeben. Ich wende mich per E-Mail an den Support von best-matchmaking. Und die Antwort kommt schnell:

Sie kennen dort das Problem und Ekaterina Ebahey, die Chefin – sie nennt sich kurz Kate – erklärt mir, wie ich bezahlen kann und schickt mir Ihre Bankverbindung in einem PDF.

Ich bezahle per TransfereWise. Zlata von der Verwaltung schreibt mir, dass Kate meine Zahlung erhalten hat. Sie schreibt, ich solle die Videoschaltung über Skype direkt bei ihr anmelden. Ihr Skype-Name ist help-best-matchmaking.

Außerdem bekomme ich ein Guthaben für das Empfangen bzw. Senden von 100 Nachrichten auf meinem Account auf best-matchmaking.com gutgeschrieben.

Donnerstag, 26. November

Morgens schreibe ich Zlata und buche eine Video-Schalte für Sonntagmorgen, 10 Uhr und schreibe auch Maria. Mittags meldet sich Zlata unter help-best-matchmaking auf Skype. Maria ist auch einverstanden. Wir verständigen uns auf 10 Uhr Ukrainischer Zeit. Das ist 9 Uhr in Deutschland.

Abends schreibt mir noch eine weitere Frau. Auch sie schlägt eine Videoschalte vor. Auch ihr Schreiben geht nicht sehr konkret auf mein Profil ein. Auch das könnte ein Standardschreiben sein:

Ich antworte Ute (Name geändert) nicht. Ich will nicht mit mehreren Frauen parallel anbandeln.

Samstag, 28. November

Die Videoschalte über Skype erfordert weitere Vorbereitungen. Ich soll mich auf einem Account der Agentur anmelden. Dazu gibt mir Zlata die Zugangsdaten.

Nachdem ich den Code bei Skype eingegeben habe, kann ich mich auf dem Account beim zweiten Versuch auch anmelden. Dort finde ich unzählige Team-Kontakte, über die die Videoschalten laufen. Haufenweise Nachrichten von Männern, die hier Videoschalten hatten. Datenschutz sieht anders aus. Zlata empfängt mich wieder per help-best-matchmaking und erklärt mir, ich solle mich morgen auf diesem Account bereit halten. Die Dolmetscherin würde sich dann melden und die Videoschaltung mit Maria aufbauen.

Sonntag, 29. November

Ich spreche mit Maria über Skype. Sie freut sich, scheint genauso aufgeregt wie ich. Es fühlt sich gut an. Als sie sich bewegt erschrecke ich. Es sieht wie Verletzungen aus. Aber vielleicht ist es nur das schlechte Licht. Das Bild ist nicht besonders scharf bei dieser Skype-Verbindung. Sie macht eine Hebammenausbildung, ist im ersten von drei Jahren der Ausbildung. Das freut mich. Sie wird bestimmt auch eigene Kinder wollen. Ich habe viele Fragen vorbereitet. Aber dazu komme ich gar nicht. Die halbe Stunde vergeht schnell. Ich bin glücklich und schlage eine weitere Video-Schalte für den nächsten Tag vor. Maria ist einverstanden. Sie studiert am Nachmittag. Also verabreden wir uns für morgen um die gleiche Uhrzeit wie heute.

Nachmittags überlege ich mir, wie ich Maria persönlich treffen kann. Ihr Profil sagt, sie wohne in Zaporozhye (auch Saporoschje geschrieben), Ukraine. Ich google wo das ist. Mit dem Auto hinzufahren ist extrem weit.

Dann schreibt mir noch eine weitere Frau. Auch Paula (Name geändert) hatte ich als Favoritin markiert. Aber sie schreibt anders, als all die vorherigen:

Mir gefällt ihre klare Haltung und direkte Art. Ich schreibe ihr, dass ich mit einer anderen Frau in Kontakt stünde und nicht mit zwei Frauen parallel anbandeln wolle. Sie wird sich bei mir am Montag für mein ‚Absageschreiben‘ bedanken und mir viel ‚happyness‘ mit der anderen Frau wünschen.

Montag, 30. November

Heute Nacht habe ich mich gefragt, wie das weiter gehen soll. Ich kann nicht täglich so eine Videoschalte machen. Erstens ist das teuer und zweitens überfordert mich das logistisch. Ich muss die Frau persönlich treffen.

Ich stehe früh auf und schaue mir an wie ich in die Ukraine fliegen kann und buche fürs kommende Wochenende einen Flug nach Zaporozhye. 362,67 Euro sind günstig für ein Wochenende persönliches Treffen im Vergleich zu 199 Euro für 3 mal eine halbe Stunde Videoschalte.

Beim Videotelefonat erzähle ich Maria die Neuigkeit. Sie ist fassungslos und begeistert. Ich bin glücklich, dass ich sie sich nicht überrumpelt fühlt. Ich frage sie, ob sie mich Freitagabend am Flughafen abholt. Sie ist einverstanden. Dann kommt die Frage, ob ich das Treffen über die Agentur organisieren würde. Im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass diese Frage nicht von Maria kam, sondern von der Dolmetscherin. Ich sage, ich würde der Agentur Bescheid geben. Gegen Ende der halben Stunde bleibt nicht mehr viel zu besprechen. Wir werden uns ja bald persönlich treffen. Minuten vor Schluss geht mir noch mein Handyakku aus. Aber das ist jetzt nebensächlich.

Nach dem Gespräch mit Maria schicke ich ihr und Zlata von best-matchmaking.com meine Flugdaten und sage ihr, dass mich Maria am Flughafen abholen wird.

Zlata antwortet in wenigen Minuten. Wegen der einen Stunde Zeitverschiebung scheinbar sogar bevor ich ihr geschrieben hatte:

Mir schwant etwas: Die Agentur möchte daran verdienen, dass wir uns treffen. Auf ihrer Internetseite bietet best-matchmaking.com sogenannte Romantische Touren an. Sowas interessiert mich nicht. Ich bin schon immer selbstständig gereist und habe mich auch in vielen Ländern mit den Menschen dort getroffen. Ich brauche keinen Sektempfang, kein Candle-Light-Dinner und keine Fotosession im Stile der Fotos mit denen sich die meisten Frauen auf best-matchmaking.com präsentieren. Ich will auch keine „mindestens 5 Damen treffen“, wie diese Romantischen Touren beworben werden. Ich habe schon Maria.

Allerdings weiß ich nicht, wie gut Maria Englisch spricht. In Ihrem Profil steht: English level: basic
Während den Videoanrufen hat sie noch nicht Englisch mit mir gesprochen. Allerdings war es auch nicht nötig gewesen. Es war ja immer die Dolmetscherin dabei.

Abends finde ich in meinem Postfach zwei Nachrichten von Maria:

Mittags, nach der Videoschalte am Morgen ist sie einfach glücklich. Spät abends dann schreibt sie, ich solle das Treffen doch über best-matchmaking.com organisieren. Das sieht mir ganz danach aus, als ob die von best-matchmaking.com mit ihr gesprochen haben. Ich kann es mir nicht anders erklären. Maria gibt auch keinen Grund für ihr Anliegen an.

Dienstag, 1. Dezember

Im Internet suche ich nach einer Dolmetscherin in Zaporozhye. Das ist nicht ganz so einfach. ukr interpreters hat dort vier Dolmetscherinnen. Ich wähle diejenige, die mir am vertrauenswürdigsten erscheint, und schicke eine Anfrage.

Außerdem buche ich in Zaporozhye für Freitag bis Montag ein Zimmer im Hotel Prag.

Es ist 1. Dezember und damit 1. Advent. Ich will Maria einen ‚Adventskalender‘ schenken und jeden Tag ein neues Bild in mein Profil hochladen. Ich suche eines von Taiwan aus und schreibe ihr:

Versehentlich habe ich morgens auch noch ein Foto von einem Auto statt von mir selbst in mein Profil bei best-matchmaking.com hochgeladen. Man kann allerdings einmal hochgeladene Fotos dort nicht mehr löschen. Zlata löscht es auf meine Bitte hin zeitnah. Und ich weiß jetzt, dass die Agentur die Bilder nicht erst prüft, bevor sie online gehen.

Zwischendurch erhalte ich auch wieder einmal von Kate den Werbe-Newsletter der Agentur. Ein paar vage Sätze darüber, wie man trotz Corona-Pandemie international zusammen finden könne und dann wieder gestylte Bilder wie aus einem Hochglanzmagazin.

Ich antworte Kate auf ihren Newsletter und schreibe ihr, dass ich schon zurecht käme, trotz Corona-Pandemie. Allerdings hätte ich gerne einen Dolmetscher für zwei Stunden am Samstag:

Kate antwortet nach 15 Minuten:

Sie will keinen Dolmetscher für uns organisieren. Dafür will sie alles andere für mich organisieren, was ich nicht schon selbst organisiert habe (nämlich meinen Flug und das Hotel). In diesem Paket soll dann sogar das Dolmetschen mit dabei sein, das sie ja gerade erst nicht für uns organisieren wollte. Außerdem sollte ich doch meine Reisevorbereitungen mit ihr besprechen. Eigentlich stehe ich ja gerade deshalb mit ihr in Kontakt. Dann fragt sie noch, ob sie mir ein Angebot machen kann. Warum macht sie mir das Angebot nicht gleich? Das klingt alles dubios. Ich lasse mir das durch den Kopf gehen.

Abends schicke ich Kate einen Plan für das Wochenende und bitte Sie um ein Angebot. Ich will einfach mal sehen, was sie mir anbietet:

Und abends schreibt mir auch Maria nochmal:

Sie bedankt sich für mein Adventskalender-Foto und bittet mich wieder, die Reise über die Agentur zu arrangieren. Sie könne mich auch am Freitagabend nicht vom Flughafen abholen, weil sie um 10 im Studentenwohnheim sein müsse.

Ins Hotel werde ich am Freitagabend auch selbst finden. Ihre wiederholte Bitte alles über die Agentur zu machen, beunruhigt mich eher. Als wir telefonierten, hatte sie überhaupt keine Einwände, das ich sie einfach so besuchen kommen würde.

Mittwoch, 2. Dezember

Von ukr interpreters schreiben mir gleich zwei, der Chef aus den USA und seine Personalvermittlerin. Beide würden bei der Dolmetscherin nachfragen und sich schnellstmöglich wieder bei mir melden. Kate von best-matchmaking.com wird schneller konkret und schickt mir ihr Angebot:

Jetzt ist es klar. Sie will mir viel Geld für das Treffen mit Maria abknöpfen. Kate ist ja laut ihrer Selbstdarstellung „praktizierende Psychologin“. Ihre psychologische Masche ist auch für mich leicht zu erkennen: Erst mal einen noch höheren Preis von 2100 Euro nennen, damit die am Ende verlangten 1300 Euro nicht mehr ganz so teuer aussehen sollen, sondern eher nach einem besonders guten Deal.
Update vom 22. Dezember 2020: Am 21. Dezember wurde die Selbstdarstellung geändert. Auf der Seite bezeichnet Kate bezeichnet sich jetzt als: „CEO: -Katrina El  – Maltese and American Matchmaker“. Außerdem hat meine Dolmetscherin aus Deutschland nicht nur mich überzeugt, sondern offensichtlich auch Kate, die sie nun auch um ihre Unterstützung gebeten hat. Man findet die Seite auf WayBackMachine vor und nach der Änderung:
Die Seite Über uns am 1. Oktober 2020
Die Seite Über uns am 22. Dezember 2020

Im Wesentlichen bietet sie mir einen Dolmetscher für 10 Stunden. Jede weitere Stunde soll 20 Euro kosten. Andersherum gedacht entsprechen die 10 Stunden Dolmetscher 10 mal 20 Euro, also 200 Euro. Die restlichen 1100 Euro sind offensichtlich dafür, mich und Maria bei unseren Treffen zu betreuen (abgesehen vom Taxi, was man bei solchen Preisen aber vernachlässigen kann, finde ich).

Dann schreibt Kate noch, sie sei dann Verantwortlich für meine Sicherheit. Das kenne ich aus vielen Auslandaufenthalten wo ich irgendwie bei jemandem zu Gast war, oder für jemanden gearbeitet habe. Der Gastgeber ist für mich verantwortlich und mein Verhalten fällt auf den Gastgeber zurück. Das führt zu einem oft komplexen Abhängigkeitsverhältnis. Mir ist es eindeutig lieber auf eigene Verantwortung zu reisen und zu handeln.

Was mich aber besonders stört, ist der Punkt 2:

„2. Meeting organisation with your lady. What ever it is, our managers shall interduce you to a lady and provide with all necessary instructions.“ (Hervorhebung durch mich)

Diese ‚insturctions‚ (deutsch: Bedienungsanleitung) gefallen mir gar nicht. Eine Frau ist kein Spielzeug. Es klingt so als solle ich dort eine Rolle in deren Spiel spielen, welche sie sich für mich ausgedacht haben.

Das Angebot ist für mich indiskutabel. Deshalb antworte ich darauf erst mal gar nicht. Für mich steht jetzt fest, dass ich das Treffen mit Maria ohne die Agentur organisieren werde.

Ich suche im Internet nach Erfahrungsberichten über best-matchmaking.com. Ich finde viele Berichte auf der Internetseite best-matchmaking.com selbst und ein paar Bewertungen auf Kundenbewertungsseiten wie Trustpilot. Die Bewertungen sind meistens gut. Einzelne sind schlecht. Einer schreibt, er habe seine eigene Dolmetscherin mitgebracht, weil er Heiratsagenturen grundsätzlich misstraue. Nach einer Viertelstunde Diskussionen beim Zusammentreffen mit der Dolmetscherin der Agentur, wäre das dann ok gewesen.

Das bringt mich auf einen Gedanken. Kann ich der Dolmetscherin der Agentur trauen, wenn ich mit Maria spreche und mich mit ihr verabrede? Am Dienstag kam es mir schon seltsam vor, wie sie fragte, ob ich der Agentur wegen unserem Treffen Bescheid geben würde.

Ich buche für morgen früh eine weitere Videoschalte mit Maria und suche mir selbst eine Dolmetscherin.

Donnerstag, 3. Dezember

Ich treffe mich mit der Dolmetscherin und bespreche die Situation kurz. Ich befürchte, dass die Videoschalte abgebrochen wird, sobald wir uns verabreden. Ich befürchte außerdem, die Agentur könnte meine Nachrichten an Maria löschen, oder unvollständig übersetzen. Vielleicht schon die, in der ich Maria vorgestern geschrieben habe, dass ich das Hotel Prag gebucht habe. In den AGB schreibt best-matchmaking.com:

„5.6. Wir behalten uns das Recht vor, jegliche von Ihnen geposteten Informationen, Fotos und/oder sonstiges Material zu überwachen und nach eigenem Ermessen aus etwaigen Gründen zu entfernen.“

In den englischsprachigen Terms and conditions steht es noch deutlicher:

„5.6. We reserve the right to monitor and at Our own decision remove for any reason any information, photographs and/or other material Posted by You.“

Also will ich zuerst klar machen, dass ich Berlin heiße und ein Zimmer im Hotel Prag gebucht habe. Deutsche Hauptstadt in Tschechischer Hauptstadt. Das kann sich jeder merken.

Entgegen meiner Befürchtungen läuft das Gespräch dann völlig entspannt. Nachdem ich gleich am Anfang meine mitgebrachte Dolmetscherin vorgestellt habe, und vorschlage dass jetzt jede Dolmetscherin nur noch in eine Richtung übersetzt, um den Kommunikationsfluss zu beschleunigen, zieht sich die Dolmetscherin der von best-matchmaking.com überraschend zurück, da sie ja nicht gebraucht würde. Ich erzähle Maria, dass ich auch für unser Treffen eine Dolmetscherin hätte. Aber Maria sagt, sie hätte eine Freundin, die für uns dolmetschen könne. Nachdem die technischen Details besprochen sind bleibt erwartungsvolles Schweigen. Das ist seltsam am Telefon. Weil ich morgen unterwegs bin, werden wir uns bis Samstag nicht mehr sprechen. Ich sage Maria, dass ich best-matchmaking.com wegen unserem Treffen angefragt hätte, ihr Angebot aber sehr teuer sei und ich es deshalb nicht annehmen will. Maria ist damit einverstanden und sagt mir, ich solle mir keine Sorgen machen, dass niemand auftauchen würde.

Nach der Videoschalte sage ich meiner Dolmetscherin, dass das Gespräch viel besser gelaufen ist, als ich befürchtet hatte. Marias Bitte, unser Zusammentreffen über die Agentur zu arrangieren, die sie mir wiederholt geschrieben hatte, war gar kein Thema gewesen. Auch im Nachgespräch mit der Dolmetscherin komme ich zu dem Schluss, dass eigentlich alles klappen sollte. Sie gibt mir noch ihre Karte und sagt mir, ich könne mich gerne melden, falls ich vor Ort in Zaporozhye Hilfe brauche. Ich gehe voller Freude nach Hause.

Ich sage die Dolmetscherin von ukr interpreters ab und ich sage Kate ab. Ihre Tour brauche ich nicht. Und sie antwortet wieder innerhalb von Minuten:

Was gestern noch im Mantel einer ‚tour‘ daher kam, ist jetzt ausdrücklich eine Provision. Allerdings lese ich ihre Nachricht am Donnerstag nicht mehr und gehe voller Vorfreude schlafen.

Freitag, 4. Dezember

Als ich Maria vor meiner Abreise noch ein neues Adventskalener-Foto hochlade, finde ich zwei Nachrichten von ihr in meiner Inbox auf best-matchmaking.com, eine von gestern Mittag und eine von heute Nacht:

Die E-Mail von Kate und diese Nachrichten von Maria, beunruhigen mich. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie von best-matchmaking.com Maria Lügen erzählen würden:

  1. Ich sei verschwunden
  2. Unser Treffen sei regelwidrig

Dass Maria mit meiner Dolmetscherin nervös war und sich unwohl gefühlt hat, das ist so völlig abwegig nach unserem gestrigen Gespräch. Ich weiß nicht, ob diese Worte von Maria selbst stammen, oder ihr in den Mund gelegt wurden. Ich hoffe letzteres. Technisch gesehen könnten sie bei best-matchmaking.com die gesamte Kommunikation manipulieren, die über ihre Internetseite läuft. Wie auch immer tut mir Maria leid. Und ich erinnere mich an Marias Versprechen mich nicht sitzen zu lassen. Außerdem bin ich schon auf dem Sprung. Ich beschließe zu fliegen. Entweder treffe ich Maria oder ich habe eine Geschichte zu erzählen. In dem Fall, werde ich einen Erfahrungsbericht veröffentlichen.

Auf dem Flughafen vor dem Abflug antworte ich Maria obwohl ich nicht weiß, wie die Agentur diese Nachricht weiterleitet und übersetzt. Ich frage mich, wie vertraulich diese Nachrichten übersetzt werden. Und ich will nicht, dass die Agentur Maria noch weiter unter Druck setzt. Deshalb spreche ich nicht von unserem Treffen. Ich versuche die Lügen der Agentur klar zu stellen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich versuche es trotzdem:

Der Flug ist entspannt. In Zaporozhye wartet niemand auf mich. Ein Taxifahrer bietet mir lautstark die Fahrt zum Hotel für 10 Dollar an. Ich habe keine Dollars und versuche es mit dem Omnibus. Der kostet 5 Griwna, umgerechnet 15 Eurocent. Allerdings biegt der Bus in die falsche Richtung ab. Ich nehme für die restliche Strecke doch noch ein Taxi für 110 Griwna (3,25 Euro).

Samstag, 5. Dezember

Morgens mache ich ein Selfie vor dem Hotel Prag und lade es auf mein Profil hoch. Wie jeden Tag ein neues Adventskalender-Foto.

Dann sitze ich in meinem Hotelzimmer und warte ab. Maria taucht nicht auf.

Beim warten schaue ich mir die Internetseite von best-matchmaking.com genauer an. Es findet sich dort nichts von einer Provision. Auch nichts davon, dass man sich nicht unabhängig von der Agentur treffen dürfe. Im Gegenteil: In den FAQs heißt es:

Ist es möglich, direkte Kontaktdaten der Damen von Ihrer Heiratsagentur zu bekommen?

Ja! Aufgrund unserer neuen Unternehmenspolitik haben wir uns entschieden, unseren Kunden viele neue Dienstleistungen anzubieten und Ihnen die Möglichkeit zu geben, schneller mit ukrainischen Frauen in Verbindung zu treten. Eine Besonderheit besteht darin, unseren männlichen Kunden die direkten Kontaktdaten von den Damen (Telefonnummer, E-Mail-Adresse, etc.) zur Verfügung zu stellen.
Normalerweise enthalten die Mails von Frauen und Männern keine Kontaktinformationen. Es ist verboten. Aber, wenn aus Ihrer Beziehung etwas Ernstes wird und Sie sich beide einen direkten Kontakt ohne unsere Unterstützung wünschen, dann werden wir das zulassen.

Hier steht ganz klar, dass „wenn … Sie sich beide einen direkten Kontakt ohne unsere Unterstützung wünschen, dann werden wir das zulassen.“

In den AGB steht auch nichts bezüglich Provision oder einer Regel die ein Treffen unabhängig von der Agentur widersprechen würde.

Ich schreibe Zlata, von der Agenturverwaltung. Auf meine Fragen antwortet sie nicht, verweist mich an die Chefin. Ansonsten widerspricht sie offensichtlich der oben zitierte FAQ. Dass ihre Chefin Kate meine ursprüngliche Anfrage nach einer Dolmetscherin abgelehnt hat, muss sie nicht wissen:

Ich frage meine Dolmetscherin von Donnerstag, ob sie den Eindruck hatte, Maria sei nervös gewesen oder habe sich unsicher gefühlt:

Bevor sie antwortet schickt mir Kate mal wieder ihre Werbung:

…dann meldet sich auch schon meine Dolmetscherin aus Deutschland:

Meine Verliebtheit hat mich also nicht geblendet. Wir telefonieren und ich suche ihr die ukrainische Telefonnummer der Agentur heraus. Auf der Internetseite steht zwar, dass der Sitz der Agentur in der Ukraine ist. Eine Adresse ist allerdings nicht zu finden. Unter Kontakt findet sich nur eine Nummer in den USA und eine auf Malta. In den FAQ finde ich dann doch eine Nummer:

Ich habe Angst vor einem Internetbetrug! Ist Ihre Agentur echt?

Ja, Best-Matchmaking (ehemals  KatesModels) ist eine echte Heiratsagentur. Unsere Agentur wurde vor mehr als 12 Jahren gegründet und unsere neue Website (https://best-matchmaking.com/de/) wurde 2017 gestaltet.
Außerdem ist unser Geschäftsführer in der Ukraine ansässig und kann jederzeit über Telefone erreicht werden: Ukraine: + 380989899919, USA: + 1 (775) 410 1005 oder Skype: Best-Matchmaking.
Die Lizenz Nummer unseres Unternehmens ist 836852
Wir haben Büros in Charkow, Saporoschje, Mariupol und Cherson. Es gibt offizielle Partner in Südkorea, Japan, China und den USA. Eine Zentrale befindet sich in Malta. Wir kooperieren außerdem mit vielen Agenturen in der Ukraine, Belarus und Russland, um Sie den Frauen vorstellen zu können, die an den echten Ehen interessiert sind.
Um mehr über unsere Agentur zu erfahren, besuchen Sie bitte die Seite Über uns.

Unter dieser ukrainischen Telefonnummer +380989899919 erreicht meine Dolmetscherin nur einen Privathaushalt. Die Leute dort haben mit der Agentur nichts zu tun.

Eigentlich glaube ich nicht mehr daran, dass Kate irgendwie einlenkt. Dann will ich wenigstens ihre Machenschaften aufdecken. Ich will sehen, ob sie mir die Telefonnummer von Maria gibt, wie es in ihren FAQs steht:

Unsere Kontakt-Austauschpolitik:

Die Kontaktinformationen einer Frau werden einem männlichen Kunden mitgeteilt, wenn die Frau es (sic!) zustimmt, über Ihre Hintergrundinformationen informiert wird, und die Weiterleitung ihrer persönlichen Informationen an Sie genehmigt. Eine Frau kann ohne irgendwelche Erklärungen es ablehnen, Ihnen ihre Kontaktdaten zu geben. Eine Frau kann außerdem nach den Übersetzungsdiensten verlangen, wenn sie keine Ihrer Sprachen spricht. Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte uns.

Ich gebe mich etwas ärgerlicher:

Nun bekomme ich gleich drei Antworten:

  1. nochmal von Zlata, die meine E-Mail an Kate nochmal an Kate weiterleiten will
  2. und 3. von Kate selbst wieder über Zlata:

Beide arbeiten offensichtlich Hand in Hand. Hier zuerst die Antwort von Zlata:

Zlata verweist mich jetzt explizit auf die Terms and conditions. Ich lese sie mir nochmal durch. Ich finde trotzdem nichts, dass ich eine Frau nicht treffen könnte. Es gibt nur eine Stelle die das Treffen einer Frau betrifft:

„4.4 Before to invite a lady to your country you must provide us with the record of your criminal background.“

In den deutschen AGB steht entsprechend:

„4.4 Bevor Sie eine Dame in Ihr Land einladen, müssen Sie uns die Akte Ihres strafrechtlichen Hintergrunds zur Verfügung stellen.“

Abgesehen davon, dass ich Maria gar nicht nach Deutschland eingeladen habe, steht auch hier nichts von einer Provision. Im Gegenteil: Ich muss annehmen, dass ich eine Frau, die ich sogar zu mir nach Deutschland einladen kann, auch in ihrem Land einladen kann, mich zu besuchen. Warum sollte man sich nicht auch dort besuchen können?

Dann kommt Zlata mit dem Matchmaking Program. Das ist ein Paket, bei dem einem die Agentur Partner vorschlägt. Dieses Programm wird für jeden Kunden individuell zugeschnitten. So steht es zumindest auf der Internetseite. Da kann natürlich alles mögliche vereinbart werden. Da ich in diesem Programm nicht drin bin, hat es mit meinem Fall gar nichts zu tun. Das Argument ist eine reine Nebelkerze. Dubios ist auch, dass das Programm genau so heißt wie die Internetseite selbst. So kann man die Kunden schön verwirren. Ziemlich am Ende der matchmaking-program-Seite steht sehr vage:

The individually tailored matchmaking program may include:

(…)
Personal contacts exchange with selected ladies
(…)

Weil in diesem Programm der Austausch persönlicher Kontaktdaten enthalten sein könnte, behauptet Zlata jetzt, deshalb könnte sie mir die Kontaktdaten nicht geben. Das ist ein doppelt verneinter Umkehrschluss. Dieser Logik kann ich nicht folgen. Die Strategie dahinter ist offensichtlich: Mit nebensächlichen Belanglosigkeiten vom Wesentlichen ablenken und Verwirrung stiften.

Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass die AGB der oben zitierten Passage „Unsere Kontakt-Austauschpolitik“ in den FAQ offensichtlich widersprechen. Ob das beabsichtigt ist, weiß ich nicht:

1.7. Sicherheit des Kontaktaustausches unter unseren Mitgliedern.

Best-Matchmaking stellt persönliche Kontaktinformationen zwischen dem Kunden und der potenziellen Kandidatin vor der persönlichen Vorstellung von Angesicht zu Angesicht nicht bereit. Jedoch kann eine Frau ohne irgendwelche Erklärungen es ablehnen, Ihnen ihre Kontaktdaten zu geben.
(…)

Der zweite Satz passt irgendwie nicht zum vorhergehenden. Das sieht nach einer schlechten Übersetzung aus. Was steht in den englischen Terms and conditions?

1.7. Contact exchange Policy among our members.

(…)
Best-Matchmaking does not provide the personal contact information between the Client and potential match before the personal face-to-face introduction, the exception is Matchmaking Programs. However, a woman may reject giving you her contact details without any explanations.
(…)

In der englischsprachigen Version kommt jetzt wieder das Matchmaking Program ins Spiel. So macht der zweite Satz dann wieder etwas Sinn. Auf die englischsprachigen FAQ-Seite, lautet die oben zitierten „Kontakt-Austauschpolitik“ ist übrigens so:

Our Contact exchange Policy in an overview:

A Ukrainian woman’s contact information is shared with a male client who is Matchmaking Member only until the woman agrees to share it, is informed about your background information, and approves that we give out any personal information to you. A woman may reject giving you her contact details without any explanations. A woman may still require us to give her translation service if she speaks none of your languages. For more information please, contact us.

Und diese englischsprachige FAQ trägt die Überschrift „Online Dating FAQ“. Es besteht kein Bezug zu dem Matchmaking Program. Im Gegenteil: Das Matchmaking Progam wird als Premium-Service gegenüber dem Online-Dating auf best-matchmaking.com beworben. Unter der Zwischenüberschrift Why is Best Matchmaking service better than just communicating on the site steht:

The individually tailored matchmaking program may include:

(hier werden 15 mögliche Vorteile aufgelistet)

If you try to handle the Ukrainian dating process on your own:

(hier werden vier Nachteile aufgelistet)

Es werden zwei Alternativen vorgestellt, eine Frau zu finden: das Matchmaking Program und das Online-Dating über die Internetseite. Ich habe Maria über das Online-Dating auf best-matchmaking.com gefunden. Zum Online-Dating gibt es laut FAQ die weiter oben zitierte Kontakt-Austauschpolitik.
In der oben zitierten Zwischenüberschrift heißt es „Best Matchmaking service“ und darunter wieder „matchmaking program„. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie die Begriffe auf best-matchmaking.com durcheinandergewürfelt werden. best-matchmaking.com ist voll von solchen inkonsistenten Bezeichnungen. Das trägt zur Verwirrung bei. Ich kann nicht glauben, dass das alles nur Versehen sind.

Kate schreibt einmal um 18:20, schickt es aber aber erst zurück an Zlata und schreibt dann nochmal um 19:00 von Zlatas E-Mail-Adresse aus. Es ist aber beides Mal der gleiche Text:

Erst mal behauptet Kate, ich hätte ihr geschrieben, ich wolle gar nicht nach Zaporozhye kommen. Das habe ich nie getan. Sie schließt einfach daraus, dass ich ihr Angebot abgelehnt habe, dass ich Maria nicht besuchen wolle. Da die Agentur auch mein Selfie vor dem Hotel Prag gelöscht hat, weiß ich, dass sie wissen, dass ich hier bin.
Dann tut sie so, als wäre eine Provision selbstverständlich. Es klingt fast höhnisch in meinen Ohren: Ich sitze in der Falle. Weil ich hier bin, stecke ich in einer Zwangslage und muss zahlen. Das nennt man Wucher.
Wie schon Zlata wiederholt dann auch Kate das Scheinargument Matchmaking Program. Allerdings bezieht sie sich nicht mal mehr auf den Austausch der Kontaktdaten, sondern darauf, dass wir uns nicht selbstständig treffen dürften. Obwohl es dazu nicht mal in diesem Matchmaking Program irgendwelche Vorschriften gibt.
Danach spricht sie noch von einer Richtlinie (policy). Ich habe danach gefragt, wo sie diese dem Kunden auf ihrer Internetseite bekannt gibt. Darauf hat sie keine Antwort.
Schließlich bietet sie mir 100 Euro Preisnachlass. Ich finde das lächerlich.

Abend schreibe ich noch eine letzte E-Mail an Kate:

Sonntag, 6. Dezember

Ich lade wieder ein Advertskalender-Foto auf mein Profil hoch. Diesmal wird es nicht mehr gelöscht.

Dann bespreche ich meinen Plan mit meiner Dolmetscherin:

Ich buche meinen Flug um. Der nächste ist am kommenden Freitag, der übernächste am Montag in einer Woche. Ich nehme den am kommenden Montag. Die Umbuchung kostet 90 Euro.

Kate antwortet auf mein heutiges Schreiben:

Auf mein Vorschlag mit dem Special Event, das sie auf er Internetseite ab 350 Euro anbietet, geht Kate nicht ein. Auch wenn ihr Englisch seltsam ist, Kate schreib mir einfach: „Ihr [Angebot] beginnt mit 2100 EUR.“
In der Privacy policy, auf die sie noch verweist, steht überhaupt nichts über Kosten. Auch nicht in der deutschen Übersetzung zum Datenschutz. Es ist sowieso irrelevant, denn ich habe gar nicht nach Daten gefragt.
Mit tour section meint Kate wieder ihr Angebot der Romantic Tours. Das ist ja gerade was ich nicht gebucht habe. Aber sie will mir das verkaufen. Dort stehen zwar die 2100 Euro als Mindestpreis. Allerdings nur auf der englischsprachigen Seite. Auf der deutschsprachigen Seite Romantische Touren steht gar kein Preis. Aber viel wichtiger ist: Nirgends steht, dass man diese Touren buchen muss um eine Frau zu treffen. Das verheimlicht die Agentur so lang es geht. Das ist Täuschung.

Aber Kate schickt mir ihre Telefonnummer.

Ich gebe Kates Telefonnummer meiner Dolmetscherin ohne große Hoffnung auf Erfolg. Kate macht auf sie keinen so schlechten Eindruck auf mich wie auf mich. Sie können in der Landessprache kommunizieren. Für sie stellt sich die ganze Situation als ein verfahrenes Missverständnis dar. Sie schlägt mir vor, einen Kompromiss auszuhandeln. Ich halte das Ganze zwar weiterhin für eine offensichtliche Abzocke, aber Maria wartet. Das ist die Zwangslage. Und so sicher bin ich mir auch nicht, ob ich Maria auf eigene Faust finden werde. Das Ganze auf nächstes Wochenende zu verschieben, diesen Plan verliere ich aus dem Kopf.

Nach weiterem Hin und Her lasse ich mich am Nachmittag auf das Spiel ein und biete 500 Euro. Kate spricht noch von 6 Stunden mit einem Dolmetscher. Mehr geht heute nicht mehr. Dazu Blumen. Kate will 700. All das läuft über meine Dolmetscherin die abwechselnd mit mir und Kate telefoniert bzw. textet und die ich ja auch noch dafür bezahlen muss. Wir einigen uns auf 650 Euro. Das ist die Hälfte der ursprünglichen 1300 Euro. Allerdings jetzt ohne Blumen. Ich besorge die Blumen sowieso lieber selber.

Jetzt muss alles schnell gehen. Um 16:00 Uhr sollen wir uns treffen. Ich überweise 650 Euro per MoneyGram. Irgendwie kommen nur 625 Euro an. Ich soll die 25 Euro beim Treffen der Dolmetscherin mitbringen. Ich eile zum Blumengeschäft und kaufe rote Rosen.

Dann warten. Sie wollen in mein Hotel kommen. Es wird 17 Uhr. Dann kommen sie. Maria hat sich schön gemacht. Ich drücke ihr die Rosen in den Arm. Die sind fast so groß wie sie selbst. Ich hatte auf ihrem Profil gelesen, dass sie 145 cm klein ist, mir aber keine Vorstellung gemacht. Aber sie strahlt und ich auch.

Wir fahren in ein gutes Restaurant zum Abendessen. Schon auf der Fahrt erzähle ich, dass ich meinen Rückflug verschoben habe und eine Woche später fliege.

Maria und ich, wir sind high.

Alles ist von der Agentur organisiert. Auch der Wagen. Den soll ich allerdings auch noch bezahlen. Eigentlich war das in Kates Angebot inklusive gewesen. Das fällt mir allerdings erst später auf. Die 25 Euro bezahle ich der Dolmetscherin Daria (Name geändert) gleich am Anfang im Restaurant. Sie sagt, am Ende soll ich heute Abend ein Formular unterzeichnen, um zu bestätigen, wie lange Daria für uns gedolmetscht hat. So stand es schon in dem Angebot für die Tour, das mir Kate am Mittwoch geschickt hat. Ich unterschreibe das Formular sofort. Später will Daria die Stundenzahl eintragen. Ab morgen könnten wir es anders machen. Sie könnte dann direkt mit mir zusammenarbeiten, an der Agentur vorbei. Das ist eine interessante Wendung. Heute morgen hatte mir die Agentur-Chefin Kate noch geschrieben: „All my local stuff (sic!) only fallow (sic!) me so all the questions regarding payments or organisations you have to solve with me.“ War das Wort „stuff“ statt „staff“ ein Freudscher Versprecher?

Später fahren wir über den großen Staudamm in eine Bauereiwirtschaft. Dort entsteht unser erstes gemeinsames Foto:

Wir wollen unsere Telefonnummern austauschen. Ich habe weder mein Handy dabei, noch etwas zum Schreiben. Daria, die Dolmetscherin, hilft Maria mit einem Zettel. Darauf steht Marias Telefonnummer. Ich kann nur die Nummer lesen, nicht den Namen. Ich schreibe „Maria“ daneben. Weil ich keinen Zettel habe, schreibe ich meine Nummer auf ihren Zettel und reiße die untere Hälfte ab um sie Maria zu geben. Hier ist der Rest, den ich behalten habe:

Ich trinke ein Bier. Die beiden Frauen trinken Kräuterlimo.

Nach drei Stunden fahren wir wieder zu meinem Hotel. Daria und Maria fahren mit dem gleichen Taxi, das die ganze Zeit auf uns gewartet hat auch nach Hause. Das hatte mir meine Dolmetscherin noch von Kate ausgerichtet, dass ich auch das Taxi für Marias Heimfahrt zahlen soll. Daria sage ich, dass von den 6 mit der Agentur vereinbarten Stunden ja noch drei übrig sind. Deshalb machen wir es morgen noch nicht an der Agentur vorbei.

Zurück im Hotel schreibe ich eine E-Mail nach Hause, dass ich eine Woche länger bleibe, installiere Viber und finde Maria unter der Telefonnummer, die auf dem Zettel steht. Viber ist hier in der Ukraine offensichtlich die übliche Nachrichten-App.

Montag, 7. Dezember

Maria ist morgens in der Ausbildung. Wir können uns erst Nachmittags treffen. Das war letzte Woche noch anders. Da konnten wir noch am Morgen skypen und sie musste Nachmittags zur Ausbildung. Corona bringt auch die Stundenpläne durcheinander. Mal geht Maria online, mal geht sie zur Ausbildung.

Ich schicke Maria mein Adventskalender-Foto jetzt per Viber:

Ich benutze Google um die Nachrichten zu übersetzen.

Ich habe Zeit. Ich schicke Kate einen Screenshot von den überwiesenen 650 Euro und bitte sie, um Rückgabe der 25 Euro, die ich zu viel gezahlt habe.

E-Mail an Kate
Screenshot vom Geldtransfer

Ich bekomme keine Antwort. Über meine Dolmetscherin aus Deutschland erfahre ich, dass Kate angeblich noch eine Provision bei Abholung des Geldes abgezogen wurde. Abgesehen davon, dass ich bei der Überweisung schon Provision bezahlt habe, ist es Kate gewesen, die auf MoneyGram bestanden hat. Ich wollte bar bezahlen. Das passt ins fragwürdige Bild, wie Kate arbeitet. MoneyGram zeigt die Gebühren vorher an. Hier steht nichts von einer Abholgebühr:

Daria, die Dolmetscherin von Best-Matchmaking ist zwar nett aber sehr unprofessionell. Immer wieder kam sie ins Gespräch mit mir, und vergaß dabei zu dolmetschen. Oder sie kam in einen Dialog mit Maria und ich saß da und wusste nicht mehr wovon die beiden reden. Da ich in Taiwan täglich mit Dolmetschern gearbeitet habe, weiß ich wie entscheidend der Dolmetscher ist. Als sich Maria meldet frage ich sie, ob wir mit ihrer Freundin arbeiten können, die sie ursprünglich schon am Wochenende mitbringen wollte:

Sie will das heute Mittag besprechen, wenn wir uns treffen.

Mittags holen mich Maria und Daria wieder von meinem Hotel ab. Ich bin mir nicht sicher, ob das der gleiche Taxifahrer ist. Wir gehen in einem Einkaufszentrum essen.

Maria erzählt, dass ihre Freundin, die Englisch könne, Corona hätte. Deshalb könne sie uns jetzt nicht begleiten. Ich erkläre warum ich mit Daria nicht so zufrieden bin, weil sie immer wieder aus ihrer Übersetzerrolle fällt, und schlage dann vor, für morgen eine Dolmetscherin über interpreters.travels zu buchen. Maria will aber keine andere Dolmetscherin. Sie sagt (und Daria übersetzt mir) das gleiche, was sie mir schon am Donnerstag nachts in ihrer zweiten Nachricht nach der Videoschalte geschrieben hat: Sie spreche ungern über eine Fremde Person mit mir. Maria sagt mir (natürlich immer über Daria), sie sei mit Daria befreundet und wolle keine andere Dolmetscherin.

Als Daria kurz auf Toilette geht, zeigt mir Maria ihren Studentenausweis. Dort hat sie langes blondes Haar. Ansonsten kann ich nicht viel erkennen. Alles Kyrillische Schrift. So weit ich mich erinnere, war aber ihr Geburtsdatum 1994, wie es auch in ihrem Profil auf best-matchmaking.com steht. Ich zeige Ihr meine Ausweise und gebe ihr meine Visitenkarte.

Als Daria zurück ist, zeige ich Maria Fotos. Ein paar habe ich ihr mitgebracht. Dann gehe ich einfach mein Handy durch. Daria dolmetscht jetzt besser und fällt nicht mehr so sehr aus ihrer Rolle.

Maria muss heute Nachmittag noch einen Test schreiben. Irgendwas online. Wir gehen noch im Supermarkt des Einkaufszentrums einkaufen. Daria und Maria kaufen Nahrungsmittel ein. Ich zahle die etwa 15 Euro.

Das Taxi steht noch standby und wir fahren noch in mein Hotel. Ich gebe Maria den eigenen Käse, den ich ihr mitgebracht habe. Ich hätte gerne noch etwas mit Maria geredet und den Käse gustiert, aber Daria hat es jetzt eilig. Ich spreche wenigstens noch das Geschäftliche an. Ich sage Daria, dass ich nicht gerne an der Agentur vorbei mit ihr arbeite. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das auf Dauer glatt laufen kann. Letztlich ist es ihr Risiko. Sie arbeitet für die Agentur und belastet ihre Geschäftsbeziehung mit der Agentur. Sie holt Luft und sagt dann, sie würde für 15 Euro die Stunde dolmetschen, wenn wir direkt ins Geschäft kämen. Die Agentur verlangt 20 Euro die Stunde. Mir wäre es lieber, 5 Euro mehr zu zahlen und niemanden in Schwierigkeiten zu bringen. Und ich sage das auch. Letztlich lege ich mich für morgen nicht fest. Ich weiß sowieso nicht, ob Daria meine Formulare bei der Agentur abgibt oder nicht. Heute waren es 3 Stunden. Ich unterzeichne das Formular der Agentur. Damit sind die 6 Stunden Dolmetschen von der Agentur verbraucht.

Abends sitze ich im Hotel und habe nichts zu tun. Ich möchte Maria näher kommen. Dieser Rahmen, in dem ich sie treffe passt für mich nicht. Sie wird im Taxi zum Treffen gefahren und so verschwindet sie auch wieder. Daria, die Dolmetscherin, begleitet sie ständig. Sie steht irgendwie zwischen uns. Das ist einerseits logisch. Sie übersetzt ja unsere Worte. Trotzdem fühlt es sich wie eine Beschränkung an. Ich texte Maria. Vielleicht kann ich sie einfach so treffen. Mein Handy übersetzt mir ihr Russisch, allerdings ziemlich schlecht. Mit meinem Anliegen komme ich nicht weit. Stattdessen gibt es zwei unerwartete Wendungen:

Zusammenfassung:
Mein Versuch, Maria in einem anderen Rahmen zu treffen, gelingt nicht. Aber dann schreibt sie um 17:46 von dem Anruf von Daria. Ich telefoniere dann mit Daria und verspreche ihr, dass ich die Sache mit der Agentur kläre. Ich weiß jetzt, dass Daria auch in dieser Hinsicht unprofessionell ist. Maria und Daria mögen ja gute Freundinnen sein. Aber wenn Daria für mich arbeiten will muss sie das erst mal mit mir zu klären versuchen.
Dann zeigen sich um 19:45 die Grenzen der automatisierten Übersetzung an Marias Nachricht „Ок, я не хочу сидеть в отели, ты меня стесняешься?“:
Mein Handy übersetzt: „OK, ich will nicht in Hotels gehen, bist du schüchtern vor mir?“ Das macht in diesem Zusammenhang wenig Sinn. Google übersetzt „Ok, ich möchte nicht in Hotels übernachten, schämst du dich für mich?“ Auch das ist seltsam. Googles Übersetzung ins Englisch ist da noch am sinnvollsten: „Ok, I don’t want to stay in hotels, are you ashamed of me?“ Und damit trifft Maria irgendwie auch einen Wunden Punkt bei mir. Ich schäme mich zwar nicht für sie, aber ich muss mir eingestehen: Ich weiß nicht recht wie ich mit ihr umgehen kann. Ich weiß nicht, was sie mit ihrer Kleinwüchsigkeit machen kann und was nicht. Ich komme mir mit ihr hilflos vor. Und diese Hilflosigkeit will ich nicht unbedingt in der Öffentlichkeit zur Schau stellen.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum ich mich mit Maria lieber einfach ins Hotel setzen würde: Das ganze Taxi fahren, Lokal wählen, Karte lesen, essen auswählen, bestellen, damit verbundener Smalltalk, bezahlen usw. und dann alles noch mit Daria als Dolmetscherin: Das alles lenkt mich ab. Ich komme Maria so nicht näher.

Dienstag, 8. Dezember

Die ganze Nacht ging es mir durch den Kopf, wie ich Klarheit in diese Verfahrene Situation bringe. Ich schreibe mir die Fragen und Themen auf, die ich ansprechen will. Es werden um die zwanzig Kärtchen. Als es dann hell wird gehe ich an den Strand am großen Fluss.

Später telefoniere ich mit meiner Dolmetscherin in Deutschland frage sie nochmal, wieviele Stunden Dolmetschen vereinbart waren. Sie telefoniert mit Kate und gibt mir Bescheid, dass alles in Ordnung sei: Sechs Stunden waren vereinbart und die 3 Stunden vom Montag waren inklusive. Ich texte Daria, dass ich für den Montag bezahlt habe. Sie soll sich mit der Agentur kurzschließen.

Heute hat Maria früher Zeit. Ich finde ein nettes Café keine fünf Minuten von meinem Hotel und schlage Maria vor uns dort zu treffen. Sie ist einverstanden. Ich setze mich in dieses Café OZ. Beim warten ordne ich meine Kärtchen. Es wird doch Mittag, bis Daria mit Maria endlich kommen. Ich finde es idiotisch, dass Maria immer den langen Weg zu mir fährt und nicht anders herum. Ich habe ja alle Zeit der Welt, während sie in ihrem Alltag steckt.

Als die beiden ankommen überrumpelt mich Daria indem sie sagt, ich hätte für Montag noch nicht bezahlt. Ich solle ihr für die 3 Stunden Dolmetschen am Montag 3 mal 30 Euro für die Agentur geben. Nicht nur, dass ich dachte, das Thema wäre geklärt. Jetzt sollen es auch noch 30 statt 20 Euro pro Stunde sein. Daria zeigt mir das Formular, das ich gestern unterschrieben habe. Tatsächlich: Dort steht etwas von 30 Euro pro Stunde. Ich hatte das Formular noch gar nicht genau angeschaut gehabt und bin so verwirrt, dass ich sage: „Ok, ich habe das unterschrieben und bezahle.“ Und dann frage ich, ob ich das Formular haben kann. Daria gibt es mir.

Nach dem Schock mit der Bezahlung halte ich mich an meine Kärtchen. So kann ich die vielen Fragen ansprechen, die mich bewegen. Allerdings bekomme ich immer noch keine starken Antworten. Die scheinen mir oberflächlich. Dadurch, dass alles übersetzt werden muss, ist das Gespräch langwierig und anfällig für alle möglichen Störungen. Ich komme so nicht weiter.

Bei bestimmten Bewegungen werden Marias Verletzungen sichtbar. Das sieht nicht schön aus. Mein Eindruck beim Video-Anruf war richtig gewesen. Nachdem ich das angesprochen habe bewegt sich Maria freier. Ich frage sie nach dem Foto auf ihrem Profil bei best-matchmaking.com, auf dem sie diese Verletzungen offensichtlich nicht hat. Sie sagt, das Bild sei schon älter. Die Verletzungen seien erst vor kurzem passiert. Weil Maria ja sagt, dass sie neu bei best-matchmaking.com sei, verstehe ich wo die Prüfung der Profile auf best-matchmaking.com ihre Grenzen findet. Gleich auf der Startseite von best-matchmaking.com findet sich groß der Hinweis:

Warum Best-Matchmaking?

1. Nur ernsthafte Heiratsabsichten
2. Jedes Profil wird auf seine Authentizität geprüft (Hervorhebung durch mich)
3. 84% unserer Frauen antworten auf Ihre Mails
4. Professionelle Beratung und Tipps
5. > 50 neue Frauen-Profile täglich

Auf der Seite Partnervermittlung steht es noch deutlicher:

Welche Garantie bekommen Sie als Kunde?

(…)
Alle aktuellen Fotos von den Damen, die Sie auf der Website sehen können, sind echt und wurden vor kurzem aufgenommen
(…)

Laut WayBackMachine auf archive.org hat sich Maria zwischen 1. Oktober und 7. November bei best-matchmaking.com angemeldet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das erst nachher passiert ist. Außerdem fällt mir bei der Recherche über archive.org folgendes auf: Die Profile haben eine chronologisch aufsteigende ID. Am 1. Oktober hatte das neueste Profil die ID 15406, am 7. November die ID 15625. Das bedeutet 219 neue Profile in 38 Tagen, also maximal 5 bis 6 neue Profile pro Tag, weit weniger als die angegebenen „> 50 neue Frauen-Profile täglich“ (Punkt 5 im obigen Zitat).

Ich frage Maria, wie gut ihr Englisch ist. Die Nachrichten von ihr waren letzte Woche gut verständlich, aber doch so voller Fehler, dass sie nicht professionell übersetzt gewesen sein können. Maria erklärt mir, dass die Agentur sie anruft, wenn sie eine Nachricht bekommt, und ihr die Nachricht auf Russisch vorliest. Sie gibt dann ihre Antwort auf Russisch. Und die Agentur schreibt mir ihre Antwort dann in dem offensichtlich immer wieder fehlerbehafteten Englisch, das ich bekommen habe. Wenn ich mir Darias Professionalität anschaue, ist das plausibel. Maria sagt, längere Sätze verstehe sie auf Englisch nicht. Das alles dolmetscht Daria. Aus Marias Mund habe ich bis jetzt nur einzelne Worte auf Englisch gehört.

Jetzt verstehe ich, wie die Agentur alles Überwacht hat. So funktioniert also die „vertrauliche Übersetzung“. Ich kann mir gut Vorstellen, wie die Agentur auf Maria eingewirkt hat, als klar wurde, dass wir uns treffen wollten. Unter AGB und Datenschutz findet man auf best-matchmaking.com folgendes:

Aus den AGB:

1 Schriftwechseldienste:

(…)
1.3. Der Schriftwechseldienst umfasst die vertrauliche Übersetzung jeder gesendeten und empfangenen Nachricht. (…)
(…)

Aus den Ausführungen zum Datenschutz:

Überwachung

Wir können die Kommunikationen mit Ihnen wie Chat-Gespräche und E-Mails für die Testzwecke, Qualitätssicherung, Betrugsbekämpfung und Zustimmung überwachen und aufzeichnen.

Eigentlich steht hier, es ginge um meine Kommunikation zwischen mir und der Agentur. Aber vielleicht dehnt die Agentur das auch auf die Kommunikation ihrer Kunden untereinander aus. In der englischsprachigen Privacy policy steht wird klar, was oben mit „Zustimmung“ gemeint ist:

Monitoring

We may monitor and record communications with you such as chat conversations and emails for the purpose of training, quality assurance, fraud prevention and compliance.

compliance müsste im Deutschen statt „Zustimmung“ „Regelkonformität“ heißen. Was die Agentur unter Regeln versteht, davon habe ich am Wochenende ja schon einen Eindruck bekommen.

Als wir zum Einkaufen fahren wollen, will ich neben Maria hinten ins Taxi steigen. Aber Daria verhindert das. Ich kriege das Gefühl nicht los, dass sie sich zwischen mich und Maria stellt.

Nachdem Maria in der Apotheke des Einkaufszentrums Medikamente gekauft hat (Ich bezahle. Ich weiß nicht mehr ob mich Daria dazu auffordert oder ob Daria da Maria dolmetscht.), stehen wir kurz darauf vor einem Regal mit elektrischen Beistell-Heizkörpern. Ich denke mir: Sieht aus wie die nächste Masche. Im Café hat Maria erwähnt, wie kalt es in ihrem Wohnheim sei. Und jetzt stehen wir vor der Lösung des Problems. Wir schauen uns die Modelle an und die beiden Frauen lassen sich einiges von dem Verkäufer erklären. Da ich Elektroingenieur bin, kann ich auch etwas dazu sagen. Niemand fragt mich, einen Heizer für Maria zu kaufen. Nach einer Weile entscheide ich mich Maria das deutsche Modell für etwa 45 Euro zu kaufen. Maria zeigt sich sehr dankbar. Zurück im Taxi sage ich Maria, ich wolle ihr ihren elektrischen Radiator zuhause zusammenbauen. Maria (via Daria) bedauert, dass ich nicht zu ihr ins Studentenwohnheim gelassen würde. Der Hausmeister würde ihr beim Zusammenbau helfen. Für mich ist das deutlich: Jemand will nicht, dass ich Maria zu Hause besuche. Ich weiß nur noch nicht wer.

Später gehen wir wieder Abendessen. Ich lade auch unseren Chauffeur mit ein. Es ist immer der gleiche. Maria sagt, sie kenne ihn vom volunteering. Maria fragt mich, ob ich etwas dagegen hätte, wenn sie Wasserpfeife rauche. Ich finde die Frage seltsam. Aber dann entspannt sich zu viert die Stimmung. Es ist nicht mehr diese seltsam geschäftsmäßige Situation, die ich seither erlebt habe, als Maria mir gegenüber saß, und seitlich Daria zum übersetzen. Als ich mich zu Maria auf die Sitzbank setze und ihr näher rücke, weicht sie aus. Ich denke, auf dem Foto das der Chauffeur geschossen hat, kann man das auch erkennen:

Ich frage mich warum Maria sich weiter mit mir trifft.

Ich kann mir nicht recht vorstellen, dass die Treffen eine reine Show sind, in der auch Maria nur eine Rolle in einem abgekarteten Spiel spielt. Wer würde für so ein Schauspiel eine kleinwüchsige Frau wie Maria auswählen? Und sie flirtet nicht.

Aber ich bezahle ihre Freunde, Daria, die Dolmetscherin, und den Chauffeur. Möglicherweise will sie nur deren Verdienst nicht schmälern. Ich will diesen Zusammenhang auflösen.

Am Ende des Abends zahle ich den Chauffeur und Daria berechnet mir 4 mal 20 Euro für vier Stunden Dolmetschen. Ich zahle auch das.

Zurück im Hotel schaue ich mir das Formular der Agentur nochmal an:

Eigentlich steht da, dass die Dienstleistung im Voraus bezahlt wurde (Punkt 2) und jede weiter Stunde Dolmetscher 30 Euro extra kosten soll (Punkt 5). Viel interessanter ist, dass die 20 Euro pro Stunde, die mir Kate letzte Woche angeboten hatte, kein Sonderpreis für mich war. Auf best-matchmaking.com stehen auch die 20 Euro pro Stunde fürs Dolmetschen auf der Seite der „Romantischen Touren“. Woher kommt dann dieses Formular mit den 30 Euro pro Stunde?

Warum hat mir Daria heute Abend 20 Euro pro Stunde berechnet? Über die Agentur müsste es ja 30 Euro pro Stunde kosten. Und direkt an sie 15 Euro. Ich verstehe das nicht.

Und außerdem: Wie konnte die Agentur von Daria erwarten, dass sie von mir die 3 x 30 Euro für den Montag am Dienstag kassieren würde, wenn sie ab Dienstag nicht mehr für die Agentur, sondern ohne das Wissen der Agentur direkt für mich arbeiten würde?

Morgen will ich Tacheles reden. Da ich Daria nicht traue, aber auch, weil ich aus meiner Erfahrung mit Dolmetschern weiß, dass sie aus ihrer Rolle fallen können, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt, bei der sie selbst irgendwie betroffen sind (Dann fällt die Übersetzung einfach aus. Das ist oft gar nicht beabsichtigt. Das habe ich in Taiwan immer wieder erlebt.), deshalb buche ich für morgen eine eigene Dolmetscherin auf der Internetplattform interpreters.travel. So kurzfristig bietet sich dort nur noch eine Dolmetscherin an. Weil ich nicht genau weiß, wann ich Yanina morgen treffen kann (Einen konkreten Zeitpunkt zu vereinbaren ist mir die vergangenen Tage nie gelungen. Die Vereinbarungen blieben immer vage, wie etwa afternoon oder before afternoon.), buche ich die Dolmetscherin von interpreters.travel für vier Stunden von 11 bis 15 Uhr. In diesem Zeitfenster haben wir uns seither immer getroffen.

Mir fällt außerdem auf, dass sich Maria bei Viber Bunny nennt. Ich finde das kindisch. Es erinnert mich an die Frauen, die in Thailand bei Seagate in der Festplattenproduktion im Reinraum arbeiten. Hunderte kleine Gestalten in diesen weißen Kaputzen-Vollanzügen unpersönlich vermummt. Ich habe dort vor 17 Jahren ein Praktikum gemacht. Diese Frauen haben dort mit ihren kleinen Händen unter unwürdigen Bedingungen die filigranen Computerfestplatten zusammengebaut. Sie wurden vom Management auch bunnies genannt. Damals dachte ich, so wie sie genannt werden, werden diese Frauen auch behandelt: Wie Tiere. Wenn sie älter wurden, ich glaube 30, dann wurde ihnen gekündigt. Da waren sie nicht mehr schnell genug.

Mittwoch, 9. Dezember

Die Dolmetscherin, die ich gestern über interpreters.travel gebucht habe, sagt mir morgens ab. Sie sei nicht in der Stadt. Ich beschließe trotzdem Tacheles zu reden.

Wegen der Dolmetscherin, die jetzt abgesagt hat, habe ich allerdings schon unseren Treffpunkt wieder im gleichen Café in der Nähe meines Hotels vereinbart. Es läuft wieder wie die Tage zuvor. Maria und Daria kommen mit dem gleichen Chauffeur, der sie vor dem Café absetzt und dann auf uns wartet. Dieses Setting kann ich heute nicht ändern.

Ich frage dann Daria gleich zu Beginn, was es sich mit den verschieden Preisen fürs Dolmetschen auf sich hat, und wie die Agentur von ihr erwarten konnte gestern das Geld einzutreiben, wenn ich sie seit gestern ohne Kenntnis der Agentur für mich arbeitet.

Daria erklärt, normalerweise sei der Preis bei der Agentur 25 Euro pro Stunde Dolmetschen. Davon gingen ca. 7 Euro an die Agentur und der Rest werde ihr auf einem Konto gutgeschrieben. Wenn sie das Geld nicht mitbringe, bezahle die Agentur ihr gar nichts.

Nach 20 und 30 Euro jetzt 25 Euro. Das ist so unlogisch, dass mir nichts mehr dazu einfällt. Wenn Daria von normalerweise 25 Euro ca. 7 Euro an die Agentur abgibt, dann bekommt sie selbst noch ca. 18 Euro. Das sind ca. 3 Euro mehr als die 15 Euro, die sie mir direkt angeboten hat. Warum sollte sie das tun?

Daria sagte, sie arbeite seit etwa einem Jahr für best-matchmaking.com. Wie lange kann man in dieser chaotischen Weise an einer Agentur vorbei arbeiten, ohne dass es auffällt?

Und dann die Geschichte, dass die Agentur ihr nichts bezahlen würde, falls der Kunde nicht zahle. Wenn das so stimmt, wirft es ein düsteres Licht darauf, wie die Agentur mit ihren Mitarbeitern umgeht.

Ich habe genug gehört und sage, dass ich heute 15 Euro pro Stunde bezahle und ab morgen eine andere Dolmetscherin wolle. Mit den 15 Euro ist Daria einverstanden. Aber Maria will von niemand anderem als von Daria übersetzt werden. Sie will diese ganze Diskussion einfach beenden. Ich kann Maria verstehen. Die ganze Stimmung ist sowieso schon am Boden. Also beende ich das Thema.

Ich habe die 36 Fragen zum Verlieben des amerikanischen Psychologen Artur Aron auf Kärtchen geschrieben. Die retten mich jetzt. Nach dieser ärgerlichen Diskussion kann ich nicht einfach zum Smalltalk über gehen. Ich gebe Daria die Kärtchen und sie fragt uns abwechselnd. Die Fragen enthalten viele Ansatzpunkte, um ins Gespräch zu kommen, in ein etwas gehaltvolleres Gespräch als der Smalltalk übers Essen und das Wetter. Nach ein paar Runden findet Daria die Fragen gut und bittet mich, sie ihr zuzuschicken.

Allerdings zeigen sich Darias sprachliche Grenzen jetzt ganz deutlich. Sie hat große Mühe diese Fragen auf Englisch zu verstehen. Ich kenne die Fragen ja und kann ihr helfen. Trotzdem zieht sich alles lange hin. In vielleicht zwei Stunden besprechen wir ein Drittel der Fragen. Mir wird klar, warum unsere Gespräche auch die letzten Tage gar nicht tiefer gehen konnten.

Es wird dunkel und Maria fühlt sich nicht besonders gut. Ich bin auch erschöpft. Wir beschließen raus in einen Park zu gehen.

Bevor wir los fahren geht Maria noch in die Apotheke gegenüber und besorgt Medikamente und Ampullen. Daria erklärt, sie brauche das für ihre Ausbildung. Maria bezahlt ohne zu zögern selbst. Aber als wir ins Taxi steigen, sagt mir Daria, ich solle Maria das bezahlen. Es wäre ihr letztes Geld gewesen.

Als wir an der Medizinischen Universität vorbei fahren, frage ich Maria, ob sie hier wohnt. Sie hat mir erzählt, dass sie gleich neben ihrer Ausbildungsstätte im Studentenwohnheim wohne. Die Antwort ist: Nein. Maria studiert nicht an der medical university, sondern am medical college. Ich habe das vermutet. Die Uni ist nicht weit von meinem Hotel entfernt und Maria braucht immer etwa eine Stunde um herzukommen.

Der Park entpuppt sich als großer Parkplatz mit Bäumen drum herum. Wir schauen uns die Regenbogen-Installation an, steigen aber nicht mal aus. Außer Daria, die muss hier irgendjemanden treffen.

Als Daria zurückkommt will Maria nur noch nach Hause. Das Taxi bringt mich in mein Hotel zurück und verschwindet wieder mit den beiden Frauen.

Donnerstag, 10. Dezember

Ich stehe früh auf und gehe raus. Ich muss mich bewegen. Ich habe einen neuen Plan um aus diesem Muster auszubrechen, in dem Maria und Daria mich immer gemeinsam besuchen kommen und dann wieder gemeinsam verschwinden. Immer mit dem gleichen Wagen und Chauffeur.

Ich schreibe Daria, ich wolle sie eine Stunde vorher treffen. Ich wolle Maria überraschen und das mit ihr, Daria, vorbereiten. Ich will Maria überraschen und sehen ob sie zu mir steht. Außerdem will ich die Schwierigkeiten die ich mit Daria habe nicht ständig vor Maria diskutieren. Wenn sie tatsächlich für mich arbeitet, muss sie darauf eingehen. Außerdem schicke ich ihr die 36 Fragen von gestern:

Daria geht darauf ein. Zumindest sieht es erst mal so aus. Aber mein Plan ist größer und so begebe ich mich auf dem Weg zu Marias mecidal college. Ich will einen Eindruck davon bekommen. Kann es stimmen, dass sie dort wohnt und studiert?

Ich gehe zu Fuß durch die ganze Stadt. Stundenlang. Ich sehe wie heruntergekommen die Stadt ist. Grau und trist. Vieles ist zerfallen. Geschäfte sind geöffnet. Müll sehe ich wenig.

Das medical college ist Teil eines Krankenhauskomplexes am Rande der großen Stadt zwischen winterkahlen Waldbäumen. Der Ort ist so abgelegen wie Maria es beschrieben hat. Das Studentenwohnheim steht gleich neben dem college. Es ist alles echt und glaubwürdig. Ich verspüre Freude diesen Ort gefunden zu haben. Ich traue mich nicht direkt in das Studentenwohnheim oder das college zu gehen. Wie käme das rüber, so unerwartet hereinzuschneien? Auch direkt in das Café an der Bushaltestelle im Krankenhauskomplex zu sitzen ist mir zu aufdringlich. Ich gehe die große Ausfallsstraße zurück.

Etwa 10 Minuten vom Klinikum entfernt bin ich zurück in der Stadt. Ich setze mich in das erste Café am Straßenrand, mache ein Foto davon und schicke es Daria:

…aber Maria meldet sich später und sagt, dass sie sich nicht wohl fühlt. Ich frage Daria noch, ob wir zwei uns trotzdem treffen können, aber sie will lieber für ihre Großmutter kochen:

Ich fahre zurück in mein Hotel. Mir ist jetzt klar, dass ich Maria und Daria nicht auseinander bringen kann. Ich muss sie beide überraschen.

Der Chef von ukr interpreters hat mir die Nummer einer Dolmetscherin in Zaporozhye geschickt. Ich versuche sie anzurufen. Irgendwie funktioniert das von meinem Handy mit deutscher Nummer aus nicht. Nach einer halben Stunde gelingt der Kontakt per SMS. Sie teilt mir mit, dass sie zur Zeit nicht dolmetscht. Ich versuche es dann noch einmal über interpreters.travel. Ich buche über interpreters.travel eine andere Dolmetscherin für Samstag und Sonntag. Ich werde das Wochenende selbst organisieren und Daria und Maria einladen. Sie sollen beide meine Gäste sein. Niemand soll für mich arbeiten. Auch nicht der Chauffeur. Ich schaue im Internet nach, wo ich einen Mietwagen herbekommen kann. Ich fahre sowieso lieber selbst, als mich herumfahren zu lassen.

Freitag, 11. Dezember

Mietwägen gibt es meiner Internetrecherche zufolge nur am Flughafen. Ich mache mich morgens auf den Weg. Dieses mal klappt es mit dem Omnibus.

Am Flughafen finde ich keine Mietwägen. Das einzige, was es dort gibt, ist eine tourist information. Leider ist auch die nicht besetzt. Man gibt mir aber zu verstehen, dass jemand kommen würde. Die junge Dame, die dann kommt, ist sehr freundlich. Nach dieser Woche Kampf ist das einfach nur schön. Mir geht das Herz auf. Sie hilft mir. Es gibt ein Büro von Sixt in der Stadt, im InterTourist, dem ersten Hotel am Platz. Sie ruft selbst das Taxi für mich. Bis das Taxi kommt, haben wir Zeit zum Smalltalk. Sie heißt Alena und gibt mir ihre Nummer. Ich genieße es so, endlich mit jemandem einfach nur sprechen zu können. Sie bringt mich dann noch raus ans Taxi. Ich bin wie beflügelt. Der Taxifahrer ist freundlich, schweigsam und fährt extrem schnell.

Während mir das Internet noch über 20 Wägen in Zaporozhye zur Auswahl stellte, hat der Mann im Sixt-Büro nur einen einzigen Golf. Und der ist zur Zeit auch noch vermietet. Ob ich ihn morgen bekommen kann, weiß er voraussichtlich um 13 Uhr.

Das wird knapp. Um 13:30 will ich mich mit Maria treffen. Heute hat sie mir zum ersten Mal eine konkrete Zeit gesagt. Ich hatte dann vorgeschlagen, uns bei ihr zu treffen. Nun ist sie heute aber schon sonstwo in der Stadt unterwegs. Ich frage Daria heute nochmal, uns vorher zu treffen:

Heute klappt es nicht, weil Daria vorher noch ein Skype-Gespräch dolmetscht. Egal, ich muss sowieso noch das Wochenende organisieren.

Die zweite Dolmetscherin von interpreters.travel sagt mir jetzt auch ab. Mein Plan das Wochenende selbst vorzubereiten, droht zu scheitern. In meiner Not suche ich das Fremdenverkehrsamt auf und frage nach einer anderen Autovermietung. Es gibt aber in Zaporozhye nur dieses eine Büro von Sixt. Ich verlasse das Amt ziemlich ratlos. Dann gehe ich wieder rein und frage nach einer Dolmetscherin für das Wochenende. Die Dame versteht mich nach dem zweiten, dritten Anlauf. Sie telefoniert. Ich warte eine ganze Weile. Dann sagt sie mir, sie wüsste eine Dolmetscherin, könne sie aber nicht erreich. Sie würde sich aber bei mir melden, wenn es was neues gibt. Ein ziemlich vager Erfolg.

Ich mache mich auf den Weg zurück zum Sixt-Büro. Auf dem Weg meldet sich eine Fremdenführerin bei mir. Sie kann uns am Wochenende begleiten und dolmetschen. Und sie hat ein Auto. Wir werden uns schnell einig. Sie wird am Samstag um 9 Uhr zu meinem Hotel Prag kommen.

Das Wochenende ist vorbereitet. Ich habe zu Wagen und Dolmetschen sogar noch eine Fremdenführerin fürs Wochenende. Aber meine Handybatterie stirbt. Ich eile ins InterTourist. Dort habe ich mich mit Maria in einer halben Stunde verabredet.

Im InterTourist tauche ich in eine andere Welt ein. Der einzige, der eine Maske trägt, ist der Mann, der am Eingang steht. Drinnen ist alles fein. In der Lobby fühle ich, dass die Leute hier entspannen. Das Handy lädt und mein Apfelsaft kostet gut einen Euro.

Daria holt mich aus der Lobby des InterTourists. Will sich jemand hier nicht zeigen? Wir fahren mit unserem Chauffeur wieder in das Einkaufszentrum vom Montag und gehen wieder hoch in das Restaurant ganz oben.

Maria ist gut drauf. Vom gestrigen Unwohlsein ist nichts mehr da. Sie hat mir ein großes Glas eingemachte Wassermelone von ihrer Mutter mitgebracht. Ich bin mit meiner Überraschung in der Hinterhand ziemlich aufgeregt. Aber Maria macht es mir leicht. Sie fragt mich interessiert, wie ich ins InterTourist gekommen bin. Ich erzähle vom missglückten Versuch ein Auto zu mieten. Dann von der Fremdenführerin die ich fürs Dolmetschen samt Wagen fürs Wochenende organisiert habe. Ich lade Daria und Maria beide ein, am Wochenende meine Gäste zu sein. Daria sage ich, sie müsse am Wochenende nicht arbeiten. Alles sei vorbereitet. Die Fremdenführerin komme um 9 Uhr an mein Hotel.

Beide sind vollkommen überrascht. Erst mal sprachlos. Die Übersetzung fällt ziemlich aus. Das kenne ich ja. Aber es ist eigentlich alles klar. Maria wendet nochmal ein, dass sie nicht mit einer fremden Person sprechen will. Aber ich bleibe hart und sage, wenn sie zu mir nach Deutschland kommen wolle, dann müsse sie auch mit Fremden reden und ich wolle dass sie diesen Schritt jetzt geht.

Dann wird es chaotisch. Maria spricht von einem Freund der Deutsch spreche. Ich sage, klar, der könne auch mitkommen. Dann geht Maria auf Toilette. Ich frage Daria ob sie am Wochenende Zeit hat. Sie weiß es noch nicht. Dann geht auch Daria auf Toilette. Ich warte.

Die Situation ist klar: Am Wochenende werden Marias Freunde kein Geld an mir verdienen. Wer wird sich ohne diese Motivation noch mit mir treffen wollen?

Dann kommen Daria und Maria zurück, nacheinander. Maria muss jetzt heute noch studieren. Sie oder Daria meint, vielleicht könnten wir uns heute Abend nochmal treffen. Was Daria selbst sagt, und was sie mir von Maria verdolmetscht, wird nicht mehr klar. Dafür wird klar, dass wir den deutschsprachigen Freund Marias jetzt gleich treffen können. Wir treffen ihn im Erdgeschoss.

Maria will noch einkaufen gehen. best-matchmaking.com-Chefin Kate rät Männern ja mit den Frauen einkaufen zu gehen. Das wundert mich nicht.

Wir gehen in den Supermarkt. Daria und Maria kaufen ein. Ich rede mit dem deutschsprachigen Freund. Er hat eine Frage: Was mache ich beruflich? Ich erzähle es ihm. Er ist Zahnarzt, kann jetzt aber nicht nach Deutschland.

Der Einkauf kostet heute gut 20 Euro und dann haben es alle eilig zu gehen. Ich habe Zeit und gehe zu Fuß zurück ins Hotel.

Weder zum Wochenende noch zu heute Abend haben wir irgendwas konkretes ausgemacht. Ich warte einfach ab.

Zwei Stunden nachdem wir auseinandergegangen sind kommt die Schock-Nachricht. Ich kann es nicht glauben. Genau das antworte ich auch:

Der Zufall ist zu unwahrscheinlich. Genau in dem Moment, in dem ich Maria vor die Entscheidung gestellt habe, sich für mich zu entscheiden, kann sie mich wegen Corona nicht mehr treffen.

Dann frage ich mich, ob Maria Angst davor hat, dass ich die Geschichte veröffentlichen, auffliegen lassen würde. Ich frage mich auch, warum ich noch keines unserer gemeinsamen Fotos bekommen habe, obwohl ich beim fotografieren immer gesagt hatte, sie sollen mir die Fotos auch schicken. Also frage ich Maria, nach den Fotos:

…zu meiner Überraschung schickt mir Maria alle Fotos.

Samstag, 12. Dezember

Die Fremdenführerin kommt pünktlich um 9 Uhr. Sie heißt Oksana und ist sich noch nicht sicher, was sie an diesem Wochenende erwartet. Ich erkläre ihr, dass ich Daria und Maria fürs Wochenende eingeladen habe um herauszufinden, ob sie auch ohne finanzielle Motivation etwas mit mir unternehmen würden. Ich erzähle ihr von Marias und Darias Reaktion als wir uns gestern getroffen haben. Nun ist Oksana im Bilde. Sie ist einverstanden, heute nur mir die Stadt zu zeigen. Ich habe sie gebucht und will sie jetzt nicht wegschicken.

Wir gehen an den großen Fluss und fahren über die große Doppeldecker-Brücke auf die große Insel und besichtigen den großen Staudamm und die hölzerne Kosakenfestung. Sie erzählt alle diese Legenden die sich um die Stadt und die besichtigten Orte ranken. Dann gehen wir in ein Automobil-Museum. Dieses Museum hat mir Maria schon empfohlen. Es wurde offensichtlich nach der Wende mit viel ehrenamtlichem Engagement zusammengetragen und aufgebaut. Auf dem Weg zum Mittagessen erkennt Oksana mein Interesse an Architektur. Nach dem Essen gehen wir in ein neue eingerichtetes Museum der Stadtgeschichte und schauen uns anschließend noch die historischen Gebäude in der Stadt selbst an. Oksana erzählt mir ihre eigene Geschichte in ihrer Heimatstadt.

Zurück im Hotel lese ich abends die Nachrichten von Maria. Es kommt mir wie ein Versuch vor, Mitleid zu erregen:

Die letzte Nachricht übersetzt mir mein Handy nicht. Google übersetzt: „Du willst nicht bei mir sein.“

Ich mache klar, dass ich keine Angst habe, mich bei ihr anzustecken:

…spät Abends ist mir noch die Idee gekommen, Maria ins Hotel einzuladen, weil sie ja nicht bei ihrer coronakranken Mitbewohnerin bleiben will.

Sonntag, 13. Dezember

Oksana habe ich gestern für heute abgesagt. Ich will in Ruhe auf die vergangene Woche zurückblicken und schreibe diesen Erfahrungsbericht.

Beim Einfügen der Screenshots von den Nachrichten die mir die drei Frauen am 23. November geschrieben haben, fällt mir auf, dass sie mir alle genau gleichzeitig geschrieben haben. Man sieht es an der Uhrzeit in ihren Nachrichten an mich. Und mir fällt auf, dass die hübsche Katherine immer wieder prominent auf der Startseite von best-matchmaking.com im ‚New Profiles‚-Werbebanner auftaucht:

Katherines Profil hat die ID 13533. Weil die IDs offensichtlich chronologisch vergeben werden, muss ihr Profil doch etwas älter sein. Auf archive.org finde ich ihr Profil schon am 11. Mai 2020 in der Galerie. Damals war die neueste ID die ID 13543. Katherines Profil scheint ein paar Tage vorher angelegt geworden sein.

Und noch etwas fällt mir auf. Das Profil von Paula, der einzigen Frau, die mir auf dieser Plattform mit einer klaren Haltung geschrieben hat, das ist gelöscht:

Ihre Nachricht stammt jetzt von einem „no name„.

Schließlich fällt mir auf, dass am 1. Dezember, die zweite Nachricht von Maria, genau zwei Minuten nachdem ich Kate um ein Angebot gebeten hatte, in meinem Postfach in auf best-matchmaking.com aufgetaucht ist. In dieser zweiten Nachricht bittet mich Maria erneut darum, unser Treffen über die Agentur zu organisieren. Meine E-Mail an Kate geht um 20:16 Uhr raus. Marias Nachricht hat stammt von 20:18 Uhr. Kann das Zufall sein?

Mittags meldet sich Maria wieder:

…das hört sich erst mal an wie gestern. Aber es passiert etwas unerwartetes. Jemand unbekanntes meldet sich gleichzeitig bei mir auch über Viber:

Mit dem Namen Madonna (Namen geändert) kann ich nichts anfangen, aber sie schickt mir ein Foto von mir mit Maria:

Ich denke, jetzt versuchen sie mich zu erpressen. Aber ich habe nichts kompromittierendes getan. Diese ganze Reise will ich niemandem verheimlichen. Bevor ich weiter überlegen kann, wie ich darauf reagiere, erkenne ich, dass es ganz anders ist:

Es ist Maria selbst.

Diese neue Wendung fordert mich gewaltig. Ich befürchte auf einmal in eine Falle zu gehen. Aber ich finde keine Erklärung für diese Angst. Ich willige ein und warte im Café OZ auf Maria.

Es wird 16:45 bis sich Maria wieder meldet und mich bittet aus dem Café rauszukommen. Sie kommt um die Ecke aus der Seitenstraße und sagt mir verlegen: „I have a problem.“ Sie spricht tatsächlich Englisch. Ihr Problem ist, dass sie rauchen will. Bei einer sehr, sehr dünnen Zigarette erzählt sie mir, die Agentur habe ihr gesagt, das Rauchen könne sie in ihrem Profil auf best-matchmaking.com nicht angeben. Die letzten Tage, hätte sie es fast nicht ausgehalten, als wir uns länger getroffen hätten und sie währenddessen nicht rauchen konnte.

Nach dieser Geschichte verstehe ich, warum Maria beim Abendessen am Dienstag gefragt hat ob sie Wasserpfeife rauchen dürfe und ich verstehe was best-matchmaking.com meint, wenn es heißt, die Profile würden ‚geprüft‘, bevor sie online gehen.

Marias Profileintrag „English level: basic“ ist korrekt. Sie versteht einfache Sätze. Warum schrieb mir die Agentur-Chefin Kate am 1. Dezember bezüglich Maria „your lady speaks no english“?

Wir gehen in das Lokal nebenan. Wir verständigen uns in gebrochenem Englisch und mit Hilfe des Google Translators. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg.

Maria erzählt mir, wie ihr meine Einladung fürs Wochenende am Freitag gefallen hätte und sie gerne mit mir in die schöne Nachbarstadt Dnipro fahren wollte. Sie wollte mich ohne Daria treffen, die Agentur habe aber darauf bestanden, dass das gegen deren Regeln verstoße. Maria hatte meine Telefonnummer nicht, weil die Agentur den halben Zettel, auf den ich ihr am ersten Abend meine Telefonnummer aufgeschrieben habe, behalten hat. Das Handy mit dem Bunny-Account auf Viber sei von der Agentur. Sie selbst habe kein Smartphone, nur ein Tasten-Handy.

Auf meiner Visitenkarte konnte Maria meine Telefonnummer nicht lesen. Die ist zugegebenermaßen auch etwas diskret abgedruckt. Die erste Nummer ist der Hausanschluss und erst die zweite mein Handy. Außerdem fehlt die deutsche Ländervorwahl:

Ihre Mitbewohnerin hat Maria geholfen. Sie hat Maria ihr Smartphone ausgeliehen und irgendwie haben mich die beiden dann auch auf Viber gefunden.

Maria hat Angst vor der Agentur, wenn es rauskommt, dass wir uns selbstständig treffen. Wir einigen uns darauf, das die Regeln der Agentur falsch sind. Ich frage Maria, ob sie Geld von der Agentur bekomme. Diese Frage versteht sie erst gar nicht, dann verneint sie. Für mich ist das glaubwürdig. Am Ende bleibt auch für Maria nichts von der Agentur zu befürchten.

Ich bin froh, dass Maria nun so kurz vor meiner Abreise doch noch zu mir gefunden hat und frage mich, ob ich meinen Rückflug noch einmal verschieben soll. Wie sollen wir uns so schnell noch richtig kennen lernen? Maria ist pragmatischer. Sie schlägt vor, heute Nacht noch nach Dnipro zu fahren und dort die (halbe) Nacht zu verbringen. Mein Flug geht morgen früh um 7 Uhr vom Flughafen in Zaporozhye.

Wir sagen meinem Hotel Bescheid und rufen ein Taxi nach Dnipro. Was mir gleich auffällt: Maria versucht einen günstigen Preis zu bekommen. Obwohl ich bezahlen werde. Dann fahren wir durch die Nacht. Endlich sitzen wir zusammen auf der Rücksitzbank. Auf der Fahrt telefoniert Maria mit ihrer Mutter. Die Mutter meint, Maria sei verrückt. Ich sage „Hello!“ aber weiters ist keine Verständigung möglich.

Kaum sind wir in Dnipro aus dem Taxi gestiegen fährt ein anderer Wagen vor. Es ist Marias deutschsprechender Freund. Er heißt Bert (Name geändert). Mir wird klar, dass er mich schon am Samstag über Viber zu kontaktieren versucht hat.

Wir fahren durch die nächtliche Stadt. Wegen Corona ist vieles geschlossen. Aber wir schauen den großen Fluss auch hier an und streifen durch die Stadt. Zumindest die Innenstadt von Dnipro ist schön weihnachtlich dekoriert und nicht so heruntergekommen wie Zaporozhye. Um 22 Uhr muss unser Restaurant coronabedingt schließen. Wir fahren weiter durch die Stadt. An einer Tankstelle kauft Maria etwas zu trinken. Sie erwartet nicht, dass ich bezahle.

Ich schlage Maria vor, ihr ein Smartphone zu besorgen, damit wir in Zukunft kommunizieren können. Marias spontane Reaktion ist: „This is big money!“ Letztlich gibt es heute Nacht sowieso keinen geöffneten Handy-Shop mehr.

Unsere Kommunikation ist kompliziert. Mit Bert spreche ich Deutsch, er gebrochen. Mit Maria spreche ich Englisch, sie gebrochen. Maria und Bert sprechen Russisch miteinander, sehr schnell.

Dann stellt sich heraus, dass wir mitten in der Nacht kein Taxi mehr zurück nach Zaporozhye finden können. Ich versuche meinen Flug umzubuchen. Das geht nicht mehr. Es ist wenige Stunden vor dem Abflug. Ich schlage vor, den Flug einfach fallen zu lassen und morgen neu zu buchen. Das will Maria auf keinen Fall: Zu teuer. Obwohl es ihr offensichtlich unangenehm ist, als Bert uns schließlich mitten in der Nacht zurück nach Zaporozhye fährt. Ich stecke ihm etwas Geld zu. Das Gefühl ist völlig anders als die Tage zuvor, als die Erwartung auf mein Geld so deutlich zu spüren war.

Ich will Maria mein Smartphone geben. Ich kann mir ja ein neues besorgen. Sie sagt, sie brauche das nicht. Sie kann das Smartphone ihrer Mitbewohnerin ausleihen. Sie schreibt mir ihre Telefonnummer auf einen Zettel:

Dann fährt Bert Maria noch ans andere Ende der Stadt in ihr Studentenwohnheim. Letztes Wochenende hat es um 22 Uhr geschlossen.

Montag, 14. Dezember

Über die freundliche Alena von der tourist information am Flughafen, habe ich den freundlichen Taxifahrer für 5 Uhr zu meinem Hotel bestellt um mich zum Flughafen zu bringen. Zwanzig Minuten vor fünf steht er schon bereit. Ich packe meine Sachen und bin um 5 abfahrtsbereit.

Maria wollte mich an den Flughafen bringen, ist aber nicht zu erreichen. Ich habe es nicht anders erwartet. Ihr Plan war schon gestern Nacht absurd geklungen, für vielleicht eine Stunden Schlaf ans andere Ende der Stadt zu fahren und dann mit dem Taxi zurückkommen zu wollen. In dieser Nacht ist klar geworden, dass Maria und ich gleichermaßen in ein Labyrinth geraten waren, aus dem wir beide einen Ausweg suchten ohne den jeweils anderen zu verletzen.

Am Flughafen erzähle ich Alena was ich erlebt habe. Die ganze Geschichte. Seit Freitag ist so viel passiert. Durch ihre Hilfe habe ich zwar keinen Mietwagen gefunden, aber sie hat mich beflügelt. Nachdem ich sie getroffen hatte, hatte ich das Gefühl, die Kontrolle über meine absurde Situation zurück zu gewinnen. Als ich Alena erzähle, das ich 45 bin und Maria 26, fährt es spontan aus ihr heraus: „Are you serious?“ Ich bedanke mich bei ihr, für ihre Ehrlichkeit.

Am Flughafen in Kiew steige ich um. In der Schlange am Sicherheitscheck treffe ich Kai (Name geändert). Kai ist 55 und hat jahrelang ukrainische Frauen getroffen. Jetzt ist er auf dem Weg zurück nach Deutschland. Aber sein Leben ist auf dem Absprung zu seiner Frau am Schwarzen Meer. Kai empfiehlt mir eine andere Internetplattform um eine Frau kennen zu lernen: rus-date.com. Das wäre kein Betrug. Als ich ihm erzähle, dass ich 650 Euro an best-matchmaking.com bezahlt habe, fährt er zusammen. Offensichtlich findet er das sehr teuer. Mit den ca. 2000 Euro, die ich insgesamt ausgegeben habe, sei ich noch günstig weggekommen, meint er. Er habe 3000 Euro ausgegeben, als er das erste Mal der Frauen wegen in der Ukraine war. Wichtig sei auch, sich eine Ukrainische Telefonnummer zu besorgen. Für 10 Euro könnte man damit einen Monat telefonieren und surfen. Mir ist das Handy vergangene Woche mit vielleicht 80 Euro zu Buche geschlagen. Obwohl ich wirklich nicht viel telefoniert habe und wenn immer möglich WLAN benutzt habe.

Zurück in Deutschland frage ich Maria ob sie weiter über best-matchmaking.com daten will. Ihre Antwort ist eindeutig:

Ich bin froh darüber, dass sie keine Interesse an der Agentur mehr hat. Wenn ich meinen Erfahrungsbericht veröffentliche, wird sie dort vielleicht rausfliegen.

Mittwoch, 16. Dezember

Maria ändert ihr Profilbild bei Viber. Aus ihrem Selfie wird ein Strauß Rosen.

Und mir kommt noch ein Gedanke: Wenn die Agentur einer Frau das Handy mit dem Bunny-Account auf Viber gibt, ist es für die Agentur ein leichtes, sich auch am PC auf diesem Bunny-Account einzuloggen. So hat sie Zugriff auf die Kommunikation.

Eine andere Frage bleibt offen:
best-matchmaking.com ist dreisprachig: Oben rechts auf der Internetseite kann man English, Deutsch und 日本語 (Japanisch) auswählen. Viele Frauen auf best-matchmaking.com sprechen diese Sprachen nicht oder schlecht. Gibt es für sie eine russischsprachige Version? Und wie sieht die aus? Oder werden die Frauen von den Büros der Agentur vor Ort betreut, so wie Maria? Vielleicht haben sie überhaupt nichts schriftlich vorliegen, oder nur etwas englischsprachiges, das sie nicht verstehen. So könnte man ihnen alles erzählen.

Donnerstag, 17. Dezember

Neben der Werbung von best-matchmaking.com…

…bekomme ich jetzt auch Werbung von einer anderen Online-Dating-Plattform:

Freitag, 18. Dezember

Nun habe ich diesen Erfahrungsbericht nach bestem Wissen und Gewissen niedergeschrieben. Wie so oft im Leben ist die Wirklichkeit viel differenzierter als man am Anfang denkt. Jeder Leser muss selbst entscheiden, wem er Glauben schenkt.

Samstag, 19. Dezember

Ich gehe meinen langen Erfahrungsbericht nocheinmal durch. Beim überprüfen, fällt mir auf, dass nun auch Marias Profil auf best-matchmaking.com gelöscht ist. Ich bin froh. Ich wollte das Maria sowieso vorschlagen, bevor ich diesen Erfahrungsbericht veröffentlicht hätte.

Freitag, 25. Dezember

Ich kann mich auf best-matchmaking.com nicht mehr einloggen. Meine einmonatige Mitgliedschaft für 199 Euro ist abgelaufen. Mein Profil findet sich allerdings immer noch auf best-matchmaking.com. Ich kann es nicht einmal selber löschen.

Update vom 30. Januar 2021:
Nachdem ich andere Männer auf der Online-Dating-Plattform von Best-Matchmaking auf meine schlechten Erfahrungen auf meiner Ukraine-Reise hingewiesen habe, wurde mein Profil von der Plattform gelöscht. Hier ist mein Profil noch auf Archive.org abrufbar.

Dienstag, 29. Dezember

Ich kann mich wieder auf meinem Account auf best-matchmaking.com einloggen. Außerdem finde ich Nachrichten von 6 Frauen in meinem Postfach.

Am 23. November, gleich nachdem ich mein Profil verifiziert hatte, bekam ich drei Nachrichten von drei Frauen innerhalb von zwei Minuten. Ab dem 29. November, dem Zeitpunkt an dem ich mein Interesse an Maria gezeigt und mit ihr via einer Dolmetscherin der Agentur geskyped hatte, bekam ich keine Anfragen von neuen Frauen mehr. Erst seit ich 10 Tage zurück in Deutschland bin und sich die Frau, die ich in der Ukraine, getroffen hatte von der Agentur abgemeldet hatte, bekomme ich wieder Anfragen von neuen Frauen. Seit dem 23. Dezember haben sich in 6 Tagen 6 Frauen bei mir gemeldet:

Unter den 6 neuen Nachrichten sieht man die letzte Nachricht von Maria bevor wir uns am 6. Dezember trafen. Ihr Profil ist gelöscht. Die 6 neuen Nachrichten sind wieder so allgemein gehalten, dass es Standardschreiben zu sein scheinen. Keine der 6 Frauen hatte ich als Favoritin markiert. Das Timing kann kein Zufall sein. Offensichtlich werden diese Nachrichten von der Agentur kontrolliert.
Außerdem wurden genau die gleiche vier Nachrichten vom 23. und 24. Dezember immer gleichzeitig auch an mindestens zwei andere Männer geschickt. Dass eine Frau ihre Nachrichten gleich an mehrere Männer schickt, mag vorkommen. Dass es aber alle vier machen und dann noch alle vier an genau den gleichen drei Männern ihre Nachrichten gleichzeitig schicken, das kann nur von der Agentur organisiert sein.

Und es hat sich etwas geändert:
Ich kann die Nachrichten der Frauen öffnen und lesen, ohne dass mir etwas von meinem Guthaben (‚Credits letters‚) abgezogen würde. Statt der Betreffzeile steht dort jetzt „READ LETTER“ und wenn ich darauf klicke erscheint die Nachricht. Offensichtlich wurde mein Profil nun anders freigeschaltet. Vielleicht hofft die Agentur, dass ich es noch einmal versuchen werde.

10 Gedanken zu “Best-Matchmaking: Ein Erfahrungsbericht in Form eines Tagebuches

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